AußenpolitikFrauenReisebericht

Meine Delegationsreise nach Israel

Ute Bertram vor der Klagemauer, einmal von vorne und einem von hinten

Wie lebt es sich in einem Land, in dem die Flüchtlingsfrage zum Dauerthema geworden ist? Israel und die Palästinensergebiete sind ein aufregendes Ziel – aus ganz aktuellem Anlass, aber auch historisch. Schließlich sieht man nicht aller Tage die Grabeskirche Jesu‘ und die Klagemauer in Jerusalem.

Es gab also viele gute Gründe, warum die Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion drei Tage auf Mandatsreise nach Israel fuhr. Besonders interessierte uns dabei die Lebensperspektive von Frauen und Mädchen. Wir besuchten die Knesset, sprachen mit Überlebenden des Holocaust und gingen nach Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte. Um auch die Situation in den besetzten Palästinensergebieten im Westjordanland kennenzulernen, fuhren wir ins Flüchtlingslager Al-Jalazon in Ramallah.

Das Leben der Frauen in Israel hängt stark davon ab, wo sie leben und zu welcher sozialen Gruppe sie gehören. Eine Frau in Tel Aviv lebt oftmals ein Leben, das dem unseren sehr ähnlich ist.

Das Leben der ultraorthodoxen Jüdinnen ist dagegen sehr eingeschränkt. Die Männer müssen als einzige Gruppe in Israel nicht zum Militärdienst, sie verbringen den Tag mit dem Studieren religiöser Schriften und bekommen Subventionen vom Staat. Ihre Frauen haben keinerlei Rechte und sind auf den Straßen kaum zu sehen. Es wird erwartet, dass sie viele Kinder zur Welt bringen. Dass die eingeschränkte Lebensperspektive dieser Frauen quasi staatlich sanktioniert ist – schließlich sind die Ultraorthodoxen fast immer an der Regierung beteiligt –, hat mich doch sehr befremdet.

Ein hartes Leben haben auch die Mädchen und Frauen im Flüchtlingscamp bei Ramallah. Von den grob neun Millionen Palästinensern, die weltweit verstreut leben und immer noch auf eine Lösung im Palästinenserkonflikt hoffen, leben viele unter schwierigsten Bedingungen. In Ramallah habe ich gelernt, dass der Flüchtlingsstatus vererbbar ist: Viele Familien leben bereits in dritter Generation in diesen Camps und hoffen darauf, dass sie wieder in ihre alte Heimat und in ihre alte Wohnung zurückgehen können. Gegenüber von dem Camp, das von den Vereinten Nationen (UNRWA) unterstützt wird, liegen 200 Meter entfernt die Siedlungsgebiete der Israelis. Es kommt regelmäßig zu Auseinandersetzungen auf beiden Seiten, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Die Mauer, die seit 2004 zwischen den Siedlungsgebieten und den palästinensischen Autonomiegebieten gebaut wird, zieht sich wie eine Schlange durch die Region. Die Infrastruktur dort empfand ich als Alptraum. Ob sich jemals die Zwei-Staaten-Lösung durchsetzen wird, scheint zurzeit höchst unwahrscheinlich. Und dennoch ist dies das erklärte Ziel.

Diese Reise hat mir einmal mehr vor Augen geführt, wie viel sozialer Friede im Land wert ist. Und, dass Gleichberechtigung keine Kleinigkeit ist.

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